"Der Grund - ich spürte gerade im Wiederlesen eines Früheren, wie matt, wie gefährlich, wie krankhaft matt mein Gedächtnis geworden ist." Nahezu dreißig Jahre später schrieb er zum gleichen Stichwort in der Einleitung zu seiner Autobiographie :Die Welt von Gestern9: ". .. ich betrachte unser Gedächtnis nicht als ein das :eine9 bloß zufällig behaltendes und das :andere9 zufällig verlierendes Element, sondern als eine wissend ordnende und weise ausschaltende Kraft." Zwischen beiden Bemerkungen liegt das in schweren Zeiten gelebte Leben eines der inneren Schwere seines Wesens bewußten Menschen. Als er in Petropolis seine Erinnerungen niederschrieb, hatte Stefan Zweig seine Tagebücher nicht zur Hand - er hatte sie in Bath zurückgelassen. Es ist aus krankhaft gewordener Melancholie geborene Resignation, die ihn behaupten läßt: "Alles, was man aus seinem eigenen Leben vergißt, war eigentlich von einem inneren Instinkt längst schon verurteilt gewesen, vergessen zu werden." Doch er fährt - selbst wenn er es am Schluß des Vorworts zurückzunehmen scheint - mit einem Satz fort, der bestätigt, wie wichtig ihm seinerzeit das Aufzeichnen von Tagesereignissen und -erlebnissen war: "Nur was ich selber bewahren will, hat ein Anrecht, für andere bewahrt zu werden."
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