
Kant hat in der Erkenntnistheorie eine kopernikanische Wende vollzogen
- er selbst sprach von einer >>Revolution der Denkart<<. Er hat erkannt,
dass es durch die Art und Weise menschlichen Erkennens bedingt ist, wie
die Gegenstände menschlicher Erfahrung beschaffen sind. Außerdem hat er
gezeigt, wie menschliche Erkenntnis auf den Raum möglicher Erfahrungen
begrenzt ist. Wo die Vernunft diese Grenzen möglicher Erfahrungen überschreitet,
verwickelt sie sich notwendig in Widersprüche. Die Ursache dieser Widersprüche
aufzuzeigen, ist das Ziel der transzendentalen Dialektik, der Logik des
Scheins. Der Ausdruck Kritik in der Kritik der reinen Vernunft meint daher
eine Selbstbegrenzung, die die Vernunft vornimmt, um sich vor Urteilen
über Sachverhalte zu bewahren, die jenseits der Grenzen möglicher Erfahrung
liegen, wie etwa Gott, Freiheit und Unsterblichkeit. Einzig bei der Freiheit,
seinem Vermögen, sittlich zu handeln, ist dem Menschen ein Durchbruch in
eine Welt möglich, die nicht vollständig beschrieben werden kann, wenn
man sie nur im Licht der Naturgesetze betrachtet. Die Freiheit hat laut
Kant ihre eigenen Gesetze. Ihnen widmet sich der Philosoph in seiner zweiten
Kritik, der Kritik der praktischen Vernunft, die seine systematische Moralphilosophie
enthält.



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